Verlängertes Wochenende im Elsass

Um zwischenzeitlich einmal etwas anderes zu machen haben wir uns entschlossen ins nahe Elsass zu fahren und uns einen schönen Dessertwein zu besorgen. Schnell war unser kleines Mini-Hotel gepackt und los ging die Reise, über Basel emigrierten wir nach Frankreich respektive ins Elsass. Entlang der Weinstrasse fuhren wir durch die kleinen schmucken Dörfer. Unser Ziel lag relativ weit nordwärts. In der Nähe von Mittelbergheim fanden wir einen kleinen Campingplatz. Eine alte Schule in Barr. Nichts luxuriöses, nur ganz klein, mit Dusche und Waschraum im alten Schulgebäude, 70 € für 5 Übernachtungen. Dank des alten Baumbestandes konnten wir unsere Regenschutzplache wunderbar aufspannen. So, jetzt waren wir gerüstet und etabliert. Von hier aus machten wir unsere Steifzüge auf der Suche nach einem guten Wein.
Dessertwein, was ist das wirst du dich fragen. Dessertwein wird ganz speziell hergestellt und bedingt zuerst einmal eine spezielle Wetterlage. Zum einen muss das Wetter trocken sein aber trotzdem muss jeden Morgen ein schöner Nebel über die Rebberge ziehen, dann beginnt der Botritispilz auf den Traubenbeeren zu Wachsen. Botritis ist ein Edelschimmelpilz, der sich bei richtiger Witterung so richtig wohlfühlt und auf den Traubenbeeren wuchert. Er perforiert die Haut der Beeren und legt so die Grundlage zu einem hervorragenden Wein.
Was passiert?
Am Nachmittag, wenn dann die Trauben trocken sind und die Sonne scheint, trocknen die Beeren langsam aus. Das Wasser in der Frucht kann sich durch die perforierte Haut verflüchtigen, der Zucker und die Aromen bleiben zurück und werden dadurch verstärkt. Hat die Trocknung das richtige Stadium erreicht, werden die Beeren gelesen und gepresst. Viel Saft ist nicht mehr vorhanden, aber dafür um so mehr Zucker und Aromastoffe. Dies ergibt dann einen wunderbaren „süssen“ fruchtigen Wein, der nach einem guten Essen zum Käse oder einfach so genossen wird. Und genau einen solchen Wein suchen wir um ihn in unserem Keller noch einige Jahre zu lagern und dann zu schönen Anlässen geniessen zu können! Gleich nebenan könnt ihr unsere Errungenschaft sehen, ein herrlicher fruchtiger Dessertwein mit einem schönen Namen.
Infos über den sehr empfehlenswerten Weinkeller findet ihr unter  www.albert-seltz.fr.
Route de win
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Natürlich wollten wir nicht nur Wein kosten, sonder nauch noch einiges vom Elsass sehen und erleben. Da gibt es vieles!
Zum einen sind da so wunderschöne Dörfer mit den schönsten Riegelbauten wie zum Beispiel Kaysersberg, Mittelbergheim, Ribeauville und viele mehr. In Riquevir gibt es einen tollen Schmetterlings- und einen Storchenpark. Des weiteren ist da die Haute Königsburg zu bewundern, gleich darunter ein Affenfreigehege und eine super Adlerflugschau. Ich bin sicher man würde noch mehr atraktive sehenswerte Orte finden. Auch der Hauptort Colmar strotzt nur so von schönen alten Häusern, aber auch die Landschaft ist nicht ohne, kaum jemals habe ich mehr Reben gesehen als hier im Elsas, da fragt man sich wer den all den Weissen Wein der hier produziert wird auch trinkt.
Von Jeannettes Bruder hatten wir einen guten Tipp be-kommen, wir sollten uns doch einmal das Wein gut von Seltz in Mittelbergheim anschauen. Das haben wir dann auch gleich an die Hand genommen. Am Morgen nach einem ausgiebigen Camper-Frühstück machten wir uns auf den Weg. Ausserhalb von Mittelbergheim fanden wir einen Parkplatz gleich beim Friedhof.
Gemütlich und mit der Kammerausrüstung bewaffnet machten wir uns zu Fuss auf den Weg, zwischen Rebgärten hindurch mit Ausblick auf Burgen in der nahen Um-gebung. In den Gassen von Mittelbergheim gab es so einiges zu betrachten, alte Gemäuer, alte Brunnen, viele Hausschilder von Weinbauern. Irgendwann stiessen wir dann auch auf das gesuchte, nämlich das der Familie Seltz, die hier am Ort einen super Wein produzieren soll.
Wir waren gespannt und betraten den einsamen Hof. Herrlich, sicher eine Wohltat hier im Sommer den Schatten geniessen zu dürfen, die Wände des Gutes sind mit wilden Reben bewachsen und geben dem Ganzen einen heimeligen Anstrich, mitten aus dem grünen Laub beobachtet uns der Weingott Bachus. Bald schon wurden wir von einem älteren Herrn in Empfang genommen und in sein Degutationsoffice geführt, eine kleine aber fein gebaute und dekorierte Bar.
Hier befragte er uns zuerst nach unseren Wünsche und versuchte herauszufinden was wir für einen Weingeschmack haben. Langsam und behutsam hat er uns dann durch sein Angebot geführt. Sobald wir mit einer Richtung nicht glücklich wurden, schwenkte er in eine andere. Zum Schluss fanden wir genau das was wir uns gewünscht hatten. Nämlich einige Flaschen eines guten Weissen Elsässerweines, aber auch zweierlei wunderbarer Dessertweine. Wir waren begeistert und haben Ihm eine schöne Bestellung hinterlassen. Wir versprachen das Bestellte am Ende unserer Elsässerreise bei Ihm abzuholen.
Weiter zogen wir durch den Ort und probier-ten auch noch anderen Wein bei Böckel. Hier war die Degustation nicht so Profes-sionell, man hat sich nicht so viel Zeit für uns genommen und auch der Aufbau der Degustation war nicht das Wahre. Man hat uns nicht vorsichtig an den besten Weine herangeführt, nur, was wollen sie probieren, dies und das und das noch. Wir haben auch hier einige Flaschen bestellt, mussten dann aber feststellen, dass uns der Wein von Seltz doch besser gemundet hatt.
In den nächsten Tagen machten wir die Umgebung unsicher, besuchten die Haute Königsburg, eine wunderschön restaurierte Ritterburg mit allen Schikanen. Hier kann man sich stundenlang verweilen. Man findet wunderschhön geschaffene Details. Ein Paradies für Fotografen. Auch die Aussicht von den Türmen hoch über dem Rheintal ist einfach gewaltig. Viele der schönen Fotos kannst du auf der angehängten Fotoseite bewundern.
Danach am Nachmittag ging‘s zu Adlerflugschau, geduldig schwitzten wir an der noch warmen Herbstsonne bis das Spektakel begann. Wirklich ein lohnenswerter Besuch auch hier. Eine stattliche Anzahl verschiedenster Raubvögel ist zu bewundern, Adler, Falken, Geier, Milane und Eulen. Die Tiere werden hier hinter den Mauern einer etwas kleineren Burg unterhalb der Haut-Königsburg gehalten. Mit diesen Tieren wird täglich gearbeitet, sie müssen Ihr "Brot" mit Flugarbeit verdienen. Von den Falknern wird uns gezeigt wie agil diese Tiere sind. Die grossen Adler und Geier werden in den blauen Himmel geschickt. Man kann sie nur noch als kleinste Punkte erkennen. Zu einem späteren Zeitpunkt weden die dann, mit etwas Futter in der Hand des Betreuers, dass sie über km sehen können, zurückgerufen. Sie tauchen mit viel Schwung knapp über den Köpfe der erschreckten Zuschauer in den als Arena aufgebauten Burghof. Auch die schnellen Falken sind zu bewundern wie sie pfeilschnell auf das geschwungene Feder-spiel schiessen. Eine tolle und lohnenswerte Show. Auch mit Kindern zu empfehlen, allerdings sollte man Sonnenschutz und etwas zu trinken nicht vergessen.
An einem anderen Tag machten wir uns auf um die Schmetterlinge in Riquewir zu bestaunen und zu fotografieren. Hunderte der verschiedensten farbenprächtigen Flickflaudern lassen sich hier bewundern. Sie fliegen "frei" im üppigen Grün eines grossen Gewächshauses herum und lassen sich immer mal wieder nieder um von einer Banane oder einem gereichten Zuckersirup zu schlecken. Die Vielfalt der Tiere ist hier wesentlich grösser als in Kerzers.
Immer wieder kehrten wir in einer kleinen Weinstube ein und versuchten einen noch besseren Tropfen zu finden. Dabei geniessen wir die kleinen Bistros in den Hinterhöfen. Aber natürlich bewundern wir auch immer wieder die schönen Fachwerkhäuser, Durchgänge, Aussentreppen und Sand-steinkunstwerke. Hier muss man einfach etwas Zeit und Musse haben, hinsitzen und staunen was da alles an Publikum vorbeizieht. Eilig-Fotografierende, Verliebte, Geschäftige, Hausfrauen, Handwerker, Einheimische und 1000 Turisten.
In den kleinen Läden gibt es ebenfalls jenstes zu bestaunen. Alles was man halt so an Schnick-Schnack finden kann, aber auch Spezialitäten zum essen und probieren. Zum Beispiel ein Pain d'epice. Ein feuchtes luftiges Kuchenähnliches Brot, dass man sehr lange aufbewahren kann und das mit etwas Butter an Lebkuchen erinnert. Dieses Brot gibt es mit den verschie-densten Gewürzen. wie zum Beispiel mit Orangengeschmack mit Schokostückchen und vielem mehr. Das muss man einfach probiert haben wen man über das Elsass mitreden will.
Natürlich gibt es da dann auch ein Schnäpschen!
Un Marc de Gewürtz s'il vous plait!
Am Abend kochten wir auf unserer Feldküche etwas Gutes und genossen den noch herrlich warmen Abend. Mit Fondue auf dem Campingplatz in Frankreich bist du sicher ein Unikum! Auf jeden Fall schauten und schnupperten die Nachbar etwas skeptisch zu uns herüber! (Wir hatten aber auch mindestens 5 Zinken Knoblauch in der Käsessuppe!)
Nach dem Dessert gehts schon bald in unser Minihotel zur Nachtruhe.
Auch Colmar machten wir noch unsicher, genossen in einem Bistro herrlich gute Muscheln und andere Leckereien.
Nach 3 Tagen kamen wir zum Schluss dass wir nochmals zu Selz fahren sollten und wenn uns der Wein noch immer so gut schmeckt, wollten wir eine Nachbestellung machen. Abge-macht und auch durchgeführt, nicht der ältere Herr nahm uns in Empfang, nein ein anderes Mitglied der Familie. Sie nahm sich aber gnau so viel Zeit und wir kamen wieder zum selben Schluss, so entschlossen wir uns noch etwas mehr von diesem Honigartigen Wunder-Trunk mit nach Hause zu nehmen.
Zum Abendessen fuhren wir dann, gemäss Empfehlung des Hauses Seltz, zu Gilg die hier am Ort nebst einem Weingut auch ein Restaurant betreiben. Wir hofften natürlich auf ein typisches  Französisches Essen. Wir wurden nicht enttäuscht. Ein richtig französisches Mal wurde uns serviert mit reichlich Fleisch, ca. 1 Kg für zwei, gutem Rotwein, Dessert und Kaffe. Voll gesättigt fielen wir in unseren heimeligen Doppel-schlafsack und träumten selig von all den Wohlgenüssen die wir hier im Elsass gefunden haben.
Nur schon zu bald ging unser Abenteuer zu Ende und wir packten unsere sieben Sachen, aber nicht ohne vorher unseren Wein bei Seltz abzuholen. Zurück fuhren wir mit gemischten Gefühlen, zum einen hatten wir eine tolle Erinnerung aus flüssigen Trauben bei uns, zum anderen war uns bewusst, dass wir am nächsten Tag wieder zur Arbeit mussten.

Mit Sicherheit waren wir nicht das letzte Mal in dieser Gegend, zu schön waren die genossenen Tage und Stunden.
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